Bildersturm
Mai 26, 2009

Während der Bilderstürme hier im Land seinerzeit sind die Gesichter der Patriarchen und der Heiligen überkalkt worden. Und warum? Damit niemand die Augen zu ihnen erhöbe und durch die Blder etwa abgelenkt werde vom Gebet und von der Einkehr. Nach dem Ende des Bildersturms hat man die Gesichter dann wieder freigelegt. Doch heute sollte man sie vielleicht neuerlich überkalken. Und warum? Damit das bißchen an ihnen, das noch Gesicht ist, das noch Bild ist, vor dem Salzfraß gerettet würde.
Peter Handke. Kali
schön(e) rauchende Frauen VIII
März 15, 2009

Sibylle Baier: Schauspielerin und Sängerin. Nur sporadisch wahrnehmbar, gefangen in den 60er Jahren.
schön(e) rauchende Frauen VII
Februar 23, 2009

Wie der Vater so die Tochter: nicht nur optisch gelungen, auch musikalisch
100 Jahre futuristisches Manifest I
Februar 20, 2009
Vor 100 Jahre, am 20. Februar 1909 erschien in “Le Figaro” das erste mal das von Filippo Tommaso Marinetti verfasste “futuristische Manifest”. Die nächsten Tage sollen hier in diesem Zeichen stehen. Nun aber erst mal das Manifest:

1. Wir wollen die Liebe zur Gefahr besingen, die Vertrautheit mit Energie und Verwegenheit.
2. Mut, Kühnheit und Auflehnung werden die Wesenselemente unserer Dichtung sein.
3. Bis heute hat die Literatur die gedankenschwere Unbeweglichkeit, die Ekstase und den Schlaf gepriesen. Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.
4. Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen . .. ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.
5. Wir wollen den Mann besingen, der das Steuer hält, dessen Idealachse die Erde durchquert, die selbst auf ihrer Bahn dahinjagt.
6. Der Dichter muß sich glühend, glanzvoll und freigebig verschwenden, um die leidenschaftliche Inbrunst der Urelemente zu vermehren.
7. Schönheit gibt es nur noch im Kampf. Ein Werk ohne aggressiven Charakter kann kein Meisterwerk sein. Die Dichtung muß aufgefaßt werden als ein heftiger Angriff auf die unbekannten Kräfte, um sie zu zwingen, sich vor dem Menschen zu beugen.
8. Wir stehen auf dem äußersten Vorgebirge der Jahrhunderte! … Warum sollten wir zurückblicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen? Zeit und Raum sind gestern gestorben. Wir leben bereits im Absoluten, denn wir haben schon die ewige, allgegenwärtige Geschwindigkeit erschaffen.
9. Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes.
10. Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören und gegen den Moralismus, den Feminismus und gegen jede Feigheit kämpfen, die auf Zweckmäßigkeit und Eigennutz beruht.
11. Wir werden die großen Menschenmengen besingen, die die Arbeit, das Vergnügen oder der Aufruhr erregt; besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige Flut der Revolutionen in den modernen Hauptstädten; besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden an den Wolken hängen; die Brücken, die wie gigantische Athleten Flüsse überspannen, die in der Sonne wie Messer aufblitzen; die abenteuersuchenden Dampfer, die den Horizont wittern; die breitbrüstigen Lokomotiven, die auf den Schienen wie riesige, mit Rohren gezäumte Stahlrosse einherstampfen, und den gleitenden Flug der Flugzeuge, deren Propeller wie eine Fahne im Winde knattert und Beifall zu klatschen scheint wie eine begeisterte Menge.
Von Italien aus schleudern wir unser Manifest voll mitreißender und zündender Heftigkeit in die Welt, mit dem wir heute den Futurismus gründen, denn wir wollen dieses Land von dem Krebsgeschwür der Professoren, Archäologen, Fremdenführer und Antiquare befreien.
Schon zu lange ist Italien ein Markt von Trödlern. Wir wollen es von den unzähligen Museen befreien, die es wie zahllose Friedhöfe über und über bedecken.
Museen; Friedhöfe! . .. Wahrlich identisch in dem unheilvollen Durcheinander von vielen Körpern, die einander nicht kennen. Museen: öffentliche Schlafsäle, in denen man für immer neben verhaßten oder unbekannten Wesen schläft! Museen: absurde Schlachthöfe der Maler und Bildhauer, die sich gegenseitig wild mit Farben und Linien entlang der umkämpften Ausstellungswände abschlachten!
Einmal im Jahr mögt ihr dahin pilgern, wie man zu Allerseelen auf den Friedhof geht . . . das gestatte ich euch. Einmal im Jahr mögt ihr einen Blumenstrauß vor der Mona Lisa niederlegen, . . . das gestatte ich euch . . . Aber ich lasse nicht zu, daß man täglich in den Museen unser kümmerliches Dasein, unseren gebrechlichen Mut und unsere krankhafte Unruhe spazieren führt. Warum will man sich vergiften? Warum will man verfaulen?
Und was kann man auf einem alten Bilde schon anderes sehen als die mühseligen Verrenkungen des Künstlers, der sich abmühte, die unüberwindbaren Schranken zu durchbrechen, die sich seinem Wunsch entgegenstellen, seinen Traum voll und ganz zu verwirklichen? . . . Ein altes Bild bewundern, heißt, unsere Sensibilität in eine Aschenurne schütten, anstatt sie weit und kräftig ausstrahlen zu lassen in Schöpfung und Tat.
Wollt ihr denn eure besten Kräfte in dieser ewigen und unnützen Bewunderung der Vergangenheit vergeuden, aus der ihr schließlich erschöpft, ärmer und geschlagen hervorgehen werdet?
Wahrlich, ich erkläre euch, daß der tägliche Besuch von Museen, Bibliotheken und Akademien (diesen Friedhöfen vergeblicher Anstrengungen, diesen Kalvarienbergen gekreuzigter Träume, diesen Registern gebrochenen Schwunges) für die Künstler ebenso schädlich ist wie eine zu lange Vormundschaft der Eltern für manche Jünglinge, die ihr Genie und ihr ehrgeiziger Wille trunken machen. Für die Sterbenden, für die Kranken, für die Gefangenen mag das angehen: – die bewundernswürdige Vergangenheit ist vielleicht ein Balsam für ihre Leiden, da ihnen die Zukunft versperrt ist … Aber wir wollen von der Vergangenheit nichts wissen, wir jungen und starken Futuristen!
Mögen also die lustigen Brandstifter mit ihren verkohlten Fingern kommen! Hier! Da sind sie! … Drauf! Legt Feuer an die Regale der Bibliotheken! . .. Leitet den Lauf der Kanäle ab, um die Museen zu überschwemmen! … Oh, welche Freude, auf dem Wasser die alten, ruhmreichen Bilder zerfetzt und entfärbt treiben zu sehen! … Ergreift die Spitzhacken, die Äxte und die Hämmer und reißt nieder, reißt ohne Erbarmen die ehrwürdigen Städte nieder!
Die Ältesten von uns sind jetzt dreißig Jahre alt; es bleibt uns also mindestens ein Jahrzehnt, um unser Werk zu vollbringen. Wenn wir vierzig sind, mögen andere, jüngere und tüchtigere Männer uns ruhig wie nutzlose Manuskripte in den Papierkorb werfen. Wir wünschen es so!
Unsere Nachfolger werden uns entgegentreten; von weither werden sie kommen, von allen Seiten, sie werden auf dem beflügelten Rhythmus ihrer ersten Gesänge tanzen, ihre gebogenen Raubvögelkrallen werden sie ausstrecken, und an den Türen der Akademien werden sie wie Hunde den guten Geruch unseres verwesenden Geistes wittern, der bereits den Katakomben der Bibliotheken geweiht ist.
Aber wir werden nicht da sein! . . . Sie werden uns schließlich finden – in einer Winternacht – auf offenem Feld, unter einem traurigen Hangar, auf den ein eintöniger Regen trommelt, sie werden uns neben unseren Flugzeugen hocken sehen, zitternd und bemüht sein, uns an dem kümmerlichen kleinen Feuer zu wärmen, das unsere Bücher von heute geben, die unter dem Flug unserer Bilder auflodern. Sie werden uns alle lärmend umringen, vor Angst und Bosheit keuchend, und werden sich, durch unsere stolze, unermüdliche Kühnheit erbittert, auf uns stürzen, um uns zu töten, und der Haß, der sie treibt, wird unversöhnlich sein, weil ihre Herzen voll von Liebe und Bewunderung für uns sind.
Die starke und gesunde Ungerechtigkeit wird hell aus ihren Augen strahlen. Denn Kunst kann nur Heftigkeit, Grausamkeit und Ungerechtigkeit sein. Die Ältesten von uns sind dreißig Jahre alt: trotzdem haben wir bereits Schätze verschleudert, tausend Schätze an Kraft, Liebe, Kühnheit, List und rauhem Willen; ungeduldig haben wir sie weggeworfen, in Hast, ohne zu zählen, ohne je zu zögern, ohne uns je auszuruhen, ohne Atem zu schöpfen … Schaut uns an! Noch sind wir nicht außer Atem! Unsere Herzen kennen noch keine Müdigkeit, denn Feuer, Haß und Geschwindigkeit nähren sie! … Das wundert euch? . . . Das ist logisch, denn ihr erinnert euch ja nicht einmal daran, gelebt zu haben! Aufrecht auf dem Gipfel der Welt, schleudern wir noch einmal unsere Herausforderung den Sternen zu!
Ihr macht Einwendungen? . . . Genug! Genug! Die kennen wir . . . Wir haben begriffen! … Unsere schöne, verlogene Intelligenz sagt uns, daß wir der Abschluß und der Neubeginn unserer Ahnen sind. – Vielleicht! … Es sei! … Was schadet es denn? Wir wollen nichts begreifen! . . . Wehe dem, der uns diese infamen Worte noch einmal sagt! . .. Kopf hoch! . . .
Aufrecht auf dem Gipfel der Welt schleudern wir noch einmal unsere Herausforderung den Sternen zu! …
Tagebuchnotizen
Februar 4, 2009
Eine Bekannte trug mir dieser Tage die Tagebuchnotizen eines abenteuerlichen Herzens zu:
Aus den geheimen Sudelbüchern des XY. (In: Kein Geschwätz! Beiträge zur Radikalisierung der bürgerlichen Blogosphären-Kultur des frühen 21. Jahrhunderts, Hrsg. von Corona Borealis und Ulu Travnicek)

Gestern “Operation Walküre” gesehen: Stauffenberg meets Hollywood. Cruiselogically statt Steintology: knapp daneben ist auch vorbei. Punktabzug wegen des vermasselten Georgebezugs in der Erschießungsszene.
* * *
Am Samstag die Kunstsammlung Chemnitz besucht. Maler Zschokke: imposante, intensive Farben, ein Riefenstahlscher Strich gewissermaßen, garniert mit einem subtilen konservativ-subversiven Symbolismus. Enttäuschende Plakatkünstler: Hat Vatti hat auch in der DDR gewütet?
* * *
Kehlmann-Lektüre “Ruhm”: Deutsche Literatur leider mal wieder im appellativen Nirvana. Kehlmann, ebenso Tellkamp machen nicht mobil; lotsen das deutsche Bildungsbürgertum nur tiefer in den rotweingetränkten Ohrensessel! Tellkamp, das literarische Weichei, läßt den herrlichsten neurechten Faschisten der jüngeren deutschen Literatur von einem Loserphilosophen einfach abknallen. Und statt die deutsche Identität aus dem Geiste des Mobiltelefons wieder auferstehen zu lassen, verzettelt sich Kehlmann in postmodernen Spielereien, die wir neulich erst im “Gelben Gänseblümchen” erledigt haben!
Desiderat: Ein literarisches Triumvirat, eine dreifaltige Mobilmachung, eine junge Literatur mit Sexappeal, um unser viriles Lebensgefühl zu spiegeln und das weibische Geschwätz zu beenden! Kultur und Vitalität lautet die Parole! Wir müssen das altbackene Verständnis von Konservatismus aufbrechen, Klischees zerschlagen!
Wir brauchen einen deutschen Bret Easton Ellis, der dem Leser die dekadenten Geschwüre aus den Eingeweiden reißt und die vermassten Gehirnwindungen freischnetzelt!
Wir brauchen einen deutschen Chuck Palahniuk für die metapolitische Aufbauarbeit, der elitäre Kriegerkorpsphilosophie mit männerbündischem Geist unterfüttert!
Und schließlich brauchen wir einen deutschen Mishima, der unserer UIA (Unbequem-innovative Aktion) einen noch existentielleren Schliff verleiht, nebst Einfräsung der Tat-Geist-Einheit ins neurechte kollektive Unbewußte!
Könnte das die Antwort auf Polityckis “Weißer Mann, was nun?”-Essay sein, der knackigen Kurzfassung vom Laberroman “Herr der Hörner”? Mal sehen, ob mir dazu in den nächsten Tagen etwas Kluges einfällt, um diesen Gedankengang weiter zuzuspitzen .
Syberbergs “Deutsche Trilogie”
Februar 3, 2009
“Die Syberberg’sche Ästhetik ist asketisch. Der Regisseur will den Zuschauer nicht visuell verführen, sondern ihn vor allem mit Bildern und Texten konfrontieren, die philosophisch, historisch, literarisch, künstlerisch wichtig sind. So läßt sich sagen, daß Syberberg den Film zu einem würdigen Objekt der asketischen Kontemplation macht”
(Boris Groys)
Wer sich so ein bisschen für Film interessiert, der dürfte an Hans-Jürgen Syberberg nicht vorbeikommen. Bis vor kurzem waren die Filme im Handel gar nicht greifbar, aber die in vielerlei Hinsicht interessante “Filmgalerie 451” hat Syberbergs aus drei Filmen bestehende “Deutsche Trilogie” einzeln und als Box nun veröffentlicht. Neben den drei Filmen (Hitler – Ein Film aus Deutschland, Karl May und Ludwig) ist in der Box ein 60 seitiges Heft mit Texten von Susan Sontag, Rochelle Fack und Boris Groys so wie einigen Bildern enthalten.
Neben seinen filmischen Werken liegen auch einige Bücher von Syberberg vor, die zum Großteil tagebuchartig gehalten sind und irgendwo zwischen treffender und peinlicher Betrachtung des Tagesgeschehen ihr Nieschendasein fristen. Das essayistische “Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege” erschien sogar bei Matthes & Seitz anno 1990.
“Syberberg filmt Räume, die verlassen, vergangen, in Erinnerung erstarrt zu sein scheinen. Imitten dieser Räume wir ein TExt, ein Bild, eine historische oder eine literarische Figur zitiert. Der Zuschauer bekommt das Gefühl, nicht mit einem traditionellen Film konfrontiert zu werden, sondern mit einer verfilmten Performance”
(Boris Groys)
Filme macht Syberberg heute nicht mehr. Privat veröffentlicht er eine Gesamtausgabe seiner Filme auf DVD. Informationen dazu finden sich auf seiner in vielerlei Hinsicht verwirrenden und interessanten Internetseite, auf der auch der sieben stündige Film “Hitler. Ein Film aus Deutschland” kostenlos anzusehen ist.
der blinde Raucher
Februar 2, 2009
Sonntag am Bahnhof. Die gelbe Linie grenzt ein – der Übertreten, das Rauch aus dem Rechteck stoßen die Revolte der Separierten. Hilflos, desorientiert steht eine Figur abseits des rauchendes Rechtecks.
Eine Stimme aus dem nirgendwo, ohne Gesicht, aber scheinbar den ganzen Bahnhof immer im Auge, mahnt im eklig bemutternden Ton: “Wir rauchen aber nicht außerhalb des dafür vorgesehenen Bereiches”. Eine Durchsage, wie man sie in ihrer eklig persönlichen Art nur an provinzialen Kleinstbahnhöfen erwarten würde.
Die Durchsage wiederholt sich in verschiedensten Variationen. Die desorientierte Figur bleibt resistent, sie kann nicht ins Rechteck, die gelbe Linie ist mit dem Blindenstock nicht zu ertasten. Erst nach einigen Minuten erbahmt sich ein anderer Raucher und führt den blinden Mann an seinen ordnungsmäßigen Platz am Bahnsteig.
Bücher 2008 – Martin Mosebach
Dezember 29, 2008
Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen
“Der Mond und das Mädchen” erschien zwar schon im Jahr 2007, wurde aber von mir erst 2008 gelesen und war auch gleichzeitig mein erstes Buch von Mosebach. Mit ein Auslöser war die spaßige Hetze von Sigrid Löffler gegen Mosebach in “Literaturen” (man erinnere sich an den Titelblatt-Aufschrei “Warum?”) und im Deutschland Radio anläßlich der Büchner-Preis-Verleihung.
Das Frankfurter Gutleutsviertel, Dreh- und Angelpunkt einer südhessischen dolce vita. Die Geschichte hat etwas märchenhaftes, vor allem für jemanden der Frankfurt damals schon kannte und mittlerweile umso besser kennt, aber gerade das macht den Reiz aus: Die Beschreibung eines Lebens abseits von Menschenlärm und Dreck. Ein fast surreales Bild von multikulturellem Beisammensein seltsamster Charaktere, die sich dem Strom der Zeit zu entziehen scheinen und daß in einer Sprache, die laut Sigrid Löffler “sprachliche Hochstapelei, lauter Plüsch und Talmi” sei, was man aber getrost als peinlichste Kritik aller Zeiten abtun kann.
Bücher 2008 – Christian Kracht
Dezember 28, 2008
Die folgenden Tage folgt ein Abriß über Romane, Essays und Sachbücher, die ich 2008 gelesen habe und die mich in irgendeiner Art und Weise, und sei es nur in ihrer Schlechtigkeit, beeindruckt haben:
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

Wohl der 2008 erschienene Roman, sag ich als der, der “Der Turm” von Uwe Tellkamp nicht gelesen hat. Wieder etwas radikal Neues im Gegensatz zu “Faserland” und “1979″. Im Feuilleton fielen immer die selben Namen Joseph Conrad und Ernst Jünger. Letzterer hatte schon einen kleinen Gastauftritt in Krachts erstem Buch “Faserland”, als Lektüre einer alten Frau im Flugzeug.
Stilistisch hat “Ich werde hier sein…” Ähnlichkeiten mit “Auf den Marmorklippen”, das kommt besonders hervor, wenn Kracht seinen Roman liest. In der SZ beschwor man sogar einen Einfluß Carl Schmitts – wahrscheinlich ähnlich treffend wie all die hergestellten Zusammenhänge zwischen US-Außenpolitik und Schmitt, die über V-Mann Leo Strauß laufen.
Über den Roman bzw. seinen Inhalt will ich gar nicht viel sagen. Jeder weiß eigentlich seit dem FAZ-Vorabdruck und den unzählbaren Rezensionen, wovon der Roman grob handelt.
Ernst Jüngers politische Theologie
Dezember 21, 2008
Es wird mal wieder Zeit etwas über Ernst Jünger und Matthes & Seitz zu schreiben. Nein, ernsthaft. Eben auf der Seite von M&S ein neues Buch aus der “Fröhliche Wissenschaft”-Reihe entdeckt, das laut Amazon im März (2009) erscheinen wird. Trawny schrieb schon in “Bunter Staub” über “Arbeit” bei Ernst Jünger und gab auch den “Jünger-Band” der Heidegger-Gesamtausgabe heraus . Das Buch mit dem Titel “Die Autorität des Zeugen” geht tendenziell in die selbe Richtung, will heißen, beschäftigt sich mit dem ‘32 erschienen Essay “Der Arbeiter”.
Autor ist derjenige, der für die Wahrheit bürgt. Seine Autorität bezieht er aus seiner Zeugenschaft. Eben dies ist die Autorität der Texte Ernst Jüngers, eine Autorität jenseits des Werks. Peter Trawny geht diesem Anspruch und seinem Zerbrechen an der Shoah nach.
Als Welt-Krieger wusste Ernst Jünger, wovon er schrieb: er war dabei, er zeugte, er war der Zeuge und beanspruchte dadurch eine höhere Autorität. Seine Schrift »Der Arbeiter« (1933) sollte als »kleine Kampfmaschine« die Zukunft einer »neuen Rasse« beschwören. Das tut sie als Politische Theologie, als ein Gründungswerk, das sich theologisch legitimiert. Doch Jünger scheitert. Die Autorität des Zeugen zerbricht nicht am Krieg, doch an der Shoah. Versuche, in den Schmerz des Ereignisses einzutauchen, schlagen fehl.
Trawnys Buch zeichnet den Aufstieg und den Ab sturz Jünger’scher Zeugenschaft bis in die Nachkriegszeit nach. Bisher unveröffentlichte Manuskripte und Briefe zeigen, inwiefern Jüngers spätere Versuche, sich als Unpolitischen zu inszenieren, als Vertuschung anzusehen sind.
[http://www.matthes-seitz-berlin.de/scripts/buch.php?ID=281]
schön(e) rauchende Frauen VI
Dezember 4, 2008

Johanna Wokalek. Nach Filmen wie "Hierankl" und "Der Laden" die Gudrun Ensslin in "Baader-Meinhof-Komplex". (Copyright www.players.de)
Schön(e) rauchende Frauen V
November 26, 2008

Unvergessen ihre Hauptrolle in Luis Bunuels Film "Belle de Jour": Catherine Deneuve
50. Todestag von Leopold Ziegler I
November 25, 2008
Vor 50 Jahren starb der Philosoph Leopold Ziegler. Bei Königshausen & Neumann erscheinen passend zu diesem Anlaß in den nächsten Tagen und Wochen zwei interessante und erwähnenswerte Bücher. Ein interessanter, mehr oder weniger zur Einführung geeigneter, Artikel zu Leopold Ziegler findet sich auf der Seite des Marburger Forums – verfasst von dem mittlerweile verstorbenen Initiator Max Lorenzen.
Die erste Veröffentlichung befasst sich mit dem Einfluß von Leopold Ziegler auf die Gebrüder Ernst und Friedrich Georg Jünger. Der Titel “Eine Schlüsselfigur im Umkreis des Denkens von Ernst Jünger und Friedrich Georg Jünger” läßt schon erahnen wie hoch der Autor, Timo Kölling, den Einfluß Zieglers auf die zwei Brüder einschätzt. Speziell das Buch “Der Arbeiter” von Ernst Jünger soll, ohne namentliche Nennung, entscheidend von Ziegler beeinflußt worden sein.
Auf der Seite der Leopold-Ziegler-Stifung heißt es:
Der große Einfluß, den das Werk des Philosophen Leopold Ziegler (1881-1958) auf das Denken der Brüder Ernst Jünger und Friedrich Georg Jünger ausgeübt hat, ist bislang nicht nur unterschätzt, sondern im Grunde überhaupt noch nicht zur Kenntnis genommen worden. Die vorliegende Studie, die zugleich als Einführung in Zieglers Werk gelesen werden kann, legt diesen Einfluß erstmals frei. Im Zentrum steht der Nachweis, daß Ernst Jüngers umstrittene und in vielerlei Hinsicht rätselhafte Konzeption des “Arbeiters” als metaphysische “Gestalt” sich in allen ihren wesentlichen Momenten auf Leopold Zieglers Buch “Gestaltwandel der Götter” zurückführen läßt. Der entscheidende Grundgedanke Zieglers wird von Jünger aber in sein Gegenteil verkehrt: aus der philosophisch fruchtbaren Konzeption einer mystischen Teilhabe wird die theoretische Sackgasse einer magischen Identitätstheorie. Der Aufweis dieser Differenz erlaubt es, Zieglers Denken, das in seinem Kern der Versuch einer zeitgemäßen Erneuerung der Philosophia Perennis mit den Mitteln einer negativen Geschichtsphilosophie ist, gegen das Konstrukt der sogenannten “Konservativen Revolution” abzugrenzen. Weitere Kapitel thematisieren einen Vortrag Zieglers als bislang unbeachtete Quelle der Technikdeutungen Oswald Spenglers, Ernst Jüngers und Friedrich Georg Jüngers, sowie die Bedeutung von Zieglers Konzeption der “Ahmung” für Friedrich Georg Jüngers Buch “Die Spiele”. Abschließend wird gezeigt, in welchem Umfang die Arbeiten Ernst und Friedrich Georg Jüngers ihrerseits auf Leopold Zieglers Denken zurückgewirkt haben.
Das Inhaltsverzeichnis des Buches findet sich hier: http://leopold-ziegler-stiftung.de/page2.html und auch das erste Kapitel, “Der Vorrang des Heiligen in Leopold Zieglers Spätphilosophie”, läßt sich unter http://www.leopold-ziegler-stiftung.de/page16.html lesen.
Timo Kölling. Leopold Ziegler – Eine Schlüsselfigur im Umkreis des Denkens von Ernst Jünger und Friedrich Georg Jünger. Verlag: Königshausen & Neumann (Würzburg). 172 Seiten, EUR 26,00.
Der zweite Teil zum Sammelband “Mythos – Logos – integrale Tradition” folgt in den nächsten Tagen.
Bunter Staub II – Zeitmauer – Günter Figal
November 24, 2008
Zwischen zwei Zigaretten wieder in “Bunter Staub” gelesen. Günter Figal, der für mich sonst immer nur mit dem Namen Heidegger verbunden war, schreibt über die Zeitmauer. Der Text ist kurz, eine, vielleicht zwei Gauloises lang. Figal beschreibt das Wesen der Zeitmauer – Trennwand im Raum zwischen Zeit und Jenseits. Er stellt die Zeitmauer vor, wie sie sein könnte, findet in den Bildern von Mark Rothko passende Beschreibungen, doch was bleibt nach den drei Seiten? Das Gefühl, daß es sich um ein Stück bessere Prosa handelt, das Gefühl, daß man am meisten doch durch den Text von Jünger selbst erfährt.
dedicated to the man behind the wall (of time)
Schön(e) rauchende Frauen IV
November 24, 2008

Bekannt geworden an der Seite von Jean-Paul Belmondo, neben Anna Karina eine der besten Nouvelle Vague Schauspielerinnen: Jean Seberg






